Von der Atacamawüste in die Antarktis
Chile fühlt sich für mich nicht wie ein Reiseziel an – eher wie ein ziemlich ausufernder Roadtrip, bei dem man ständig denkt: „Okay, jetzt kann eigentlich nichts mehr kommen“… und zack, kommt wieder was komplett anderes. Kaum irgendwo sonst wechseln sich Extreme so schnell ab. Seit fast 30 Jahren reise ich durch Chile – und jedes Mal denke ich: „Jetzt hab ich’s verstanden“… bis das Land mir wieder das Gegenteil beweist.
Ganz oben im Norden geht’s erstmal direkt ans Limit – Lauca-Nationalpark, über 4.500 Meter. Dünne Luft, Puls wie beim Treppensteigen im Altbau ohne Aufzug, aber dafür Farben, die aussehen, als hätte jemand den Kontrastregler überdreht. Vulkane spiegeln sich in Lagunen, Flamingos stolzieren durchs Bild, und ich stehe da und denke: „Atmen nicht vergessen… und vielleicht auch mal auslösen.“
Ein paar hundert Kilometer weiter südlich: San Pedro de Atacama. Staubig, trocken, irgendwie aus der Zeit gefallen. Und genau da treffe ich einen Typen, der als Zorro verkleidet Bürgermeister werden will. Kein Witz. Chile zeigt hier definitiv auch seine… sagen wir mal… kreative Seite. Zwischen Mondlandschaften, Geysiren und einem Sternenhimmel, der so klar ist, dass man fast Angst bekommt, den aus Versehen kaputtzufotografieren, verliert man komplett das Zeitgefühl. Ich zumindest. Passiert mir öfter.
Und dann: raus in den Pazifik. Osterinsel. Ein Ort, bei dem man automatisch leiser wird – selbst ich. Die Moai stehen da wie stumme Wächter, schauen dich an, als wüssten sie Dinge, die du niemals verstehen wirst. Morgens im ersten Licht oder abends im Sonnenuntergang hat dieser Fleck Erde eine Magie, die sich nicht erklären lässt. Ich hab’s versucht. Mehrfach. Keine Chance.
Zurück auf dem Festland ändert sich wieder alles – natürlich. Willkommen im chilenischen Seengebiet: glasklare Seen, schneebedeckte Vulkane und diese uralten Araukarienwälder im Nationalpark Conguillío. Landschaften, die gleichzeitig episch und still sind. Perfekt zum Wandern… und um festzustellen, dass man doch nicht mehr ganz 25 ist. In dieser Region habe ich auch viel Zeit mit den Mapuche verbracht – eine Begegnung, die erdet. Und die einem zeigt, dass Natur hier nicht Kulisse ist, sondern Lebensgrundlage.
Und dann ganz im Süden: Patagonien. Torres del Paine. Rau, wild, unberechenbar – so ein bisschen wie ich vor dem ersten Kaffee. 😇Ich war dort mit einem alten Gaucho unterwegs, auf der Suche nach Pumas. Stundenlang nichts außer Wind, Weite und dieser besonderen Stille, die gleichzeitig beruhigend und leicht unheimlich ist. Und dann plötzlich dieser Moment: Ich schaue hoch – und drei Meter vor mir steht die Katze. Kein Zoom nötig. Kein Platz für große Fotografen-Eitelkeit. Nur Herzschlag irgendwo bei 180 und dieser Blick… direkt in meine Augen. In dem Moment war Fotografieren ehrlich gesagt eher zweitrangig.
Und irgendwann kommt dann immer diese Frage: Wie weit geht das eigentlich noch mit dem Süden?
Die Antwort ist… weiter, als man denkt. Ich bin über Kap Hoorn hinaus, durch die raue See, bis in die Antarktis. Eine Welt aus Eis, Licht und Stille. Und plötzlich merkt man: Es geht gar nicht nur um Geografie. Es geht um dieses Gefühl da draußen – zwischen Abenteuerlust, Forscherdrang und einer ziemlich großen Portion Ehrfurcht.
Und ja… genau deshalb zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Obwohl ich eigentlich weiß, dass ich danach wieder wochenlang Fotos sortieren muss.